München Venedig Tag 8 Titelbild

Etappe 2 -Tag 8 - Aufstieg zur Glungezerhütte

Die Überquerung des Alpenhauptkamms, das war unsere große Aufgabe der zweiten Etappe.  Mit der Friesenbergscharte wartete eine der schwierigeren Stellen auf uns. Zudem wollten wir die nächste Landesgrenze überschreiten und nach Italien gelangen. Sollte die Zeit es zulassen würden wir sogar noch ein Stück in die Dolomiten vordringen. Große Herausforderungen, auf die wir uns im Vorfeld trotz allen Respekts schon riesig freuten.

Durch die längere Anreise bedingt würde es ein einfacher Einstieg in die Tour werden. Viel Spaß beim Lesen…

Ein paar Zahlen:

  • 4 Kilometer
  • 545 m hoch (zu Fuß)
  • 0 m runter
  • Dauer: 2:45 Stunden
  • Höhe Start Inntal: 575m / Startpunkt Aufstieg 2.048m
  • Höchster Punkt: Sonnenspitze 2.639m
  • Gipfel: Sonnenspitze

Die Strecke als Route und als Höhenprofil:

19. Juli 2014, das lange Warten hatte ein Ende, endlich ging es weiter mit unserem Traum. Wir hatten bewusst einen Starttermin gegen Ende Juli gewählt, denn dieses Jahr wartete die Friesenbergscharte auf uns, eine der wenigen schwierigen Passagen der Tour. Mit ihren 2.900m ist sie nur im Sommer einigermaßen schneefrei und begehbar, zumindest für den Normalwanderer. Aber auch im Juli war es zu Beginn der Tour noch nicht sicher, ob wir sie wirklich überschreiten können. Die Alternative – die Umgehung per Bus – wollte ich allerdings auf jeden Fall vermeiden.

2014, manch einer erinnert sich sicher noch, war ein sehr verregnetes Jahr. Auch wir wurden leider nicht vor dem Nass von oben verschont, wenn wir aber trotz allem viel Glück hatten. Doch dazu später mehr.

Wären wir das vorhergehende Jahr über das Schlauchkar gegangen, so wäre unser Endpunkt im Inntal Hall in Tirol gewesen. Durch unsere Umgehung war es aber Schwaz, wo wir die erste Etappe beendeten. Eigentlich hätten wir ja von dort unsere Tour fortführen müssen. Diese zusätzlichen 10-12 km durchs Inntal ersparten wir uns aber aus Zeitgründen. Genauso wie wir der Empfehlung des Tourführers vertrauten und die Hälfte des Aufstiegs zum Glungezer per Seilbahn erledigten. Trotz der Empfehlung im Buch, aufgrund des angeblich langweiligen Aufstiegs den Sessellift zu nehmen, bereue ich diese Entscheidung noch heute. Es war das einzige Mal, dass wir nicht alles zu Fuß gingen. Gut, es gab noch die 5km bei Pfunders die wir mit dem Bus fuhren. Aber das hatten wir aus Sicherheitsgründen getan, denn an der Straße dort zu laufen wäre wirklich gefährlich gewesen und Alternativrouten gab es keine. Der Gesamtaufstieg zur Glungezerhütte zu Fuß hätte uns allerdings  einen weiteren Tag gekostet. Und Zeit, das war leider immer das Problem für uns.

Die langen Monate des Winters hatten wir immer wieder in den Erinnerungen des letzten Jahres geschwelgt. Natürlich wurde auch immer wieder im Tourführer geblättert, was die riesige Vorfreude gewaltig anheizte.

Zug in München
Sogar einen Zug haben die nach mir benannt.

So ging es also am 19. Juli, nachts um 3.30 Uhr wieder los, zurück auf den Traumpfad.

Wir hatten uns wieder dafür entschieden unser Auto in München zu parken. Per U-Bahn ging es zum Bahnhof. Dort gab es leider gleich einen Dämpfer für uns. Der geplante Zug fiel aus und wir mussten eine Stunde auf einen Ersatzzug warten. In Folge dessen ging die Reise ab Kufstein in einem Bummelzug weiter. So erreichten wir Hall in Tirol erst kurz vor halb zwölf, was unseren Zeitplan ganz schön straffte. Dafür wurden wir mit absolutem Traumwetter belohnt.

Da der nächste Bus von Hall hoch nach Tulfes noch eine Weile brauchen würde, fragten wir spaßeshalber einen Taxifahrer was die Fahrt hoch zur Talstation des Sesselliftes kosten würde. Der niedrige Preis überraschte uns und so waren wir kurz vor zwölf bereits am Sessellift. Sofort ging es hoch zur Zwischenstation. Auf der gemütlichen Fahrt im Lift konnten wir uns bei dem grandiosen Ausblick über das sonnendurchflutete Inntal so richtig auf die Tour einstimmen.  Oben angekommen erneut ein Dämpfer. Der kleine Sessellift der uns zum Startpunkt bringen sollte hatte Mittagspause. Wir überlegten zwar erst ob wir den 500m Aufstieg doch zu Fuß machen sollten, entschieden uns dann aber dagegen. Lieber gönnten wir uns ein Bier unter den Sonnenschirmen des Alpengasthofes. Pünktlich um 13.00 Uhr standen wir dann am Einstieg zur Weiterfahrt bereit. Mit großen Augen sahen wir die kleinen Einzelsitze des Lifts. Wie sollten wir da mitsamt des Rucksacks reinpassen? Irgendwie ging es dann, wenn wir auch hinter dem vor uns aufragenden Rucksacks nicht wirklich viel von der Fahrt sehen konnten. Die Viertelstunde der Bahnfahrt ging dann aber schnell vorbei und um 13.20 Uhr standen wir endlich am Startpunkt.

Seilbahn in Tulfes hoch zum Glungezer
Auf dem Weg zum Startpunkt
Mittagspause an der Mittelstation hoch zum Glungezer
Mittagspause vor dem Aufstieg
Panoramablick auf Innsbruck
Am Start wurden wir mit einem genialen Panoramablick ins Inntal und auf Innsbruck belohnt

Austieg zum Glungezer über den Klettersteig

Blumenwiese am Glungezer
Blumenwiese am Glungezer

Zur Begrüßung erwartete uns ein wahnsinnig schöner Panoramablick auf Innsbruck. Mit diesen Eindrücken euphorisiert ging es dann dem Tagesziel, der Glungezerhütte entgegen. Zuerst stieg der Weg nicht zu steil über Wiesen an. Eigentlich war der Aufstieg über den normalen Weg geplant, aber durch Zufall stolperten wir über den Einstieg des Klettersteigs der ebenfalls hoch zur Hütte führt. Keine Ahnung warum wir den nicht auf dem Radar hatten. Es war aber eine gute Entscheidung diesen klettertechnisch einfachen, aber anstrengenden Weg zu wählen. So erhielten wir abwechslungsreiche Kletterei statt langweiligen Wegen.

München-Venedig-Inntalblick
Inntalblick

Der Weg über den Klettersteig war mehr oder weniger das Klettern über großes Geröll und Felsbrocken. Hin und wieder gab es kurze Stücke die seilversichert waren. Die meisten davon konnten wir gefahrlos auch ohne entsprechende Ausrüstung begehen. Nur eine Stelle umgingen wir, da es uns doch zu riskant erschien. Im ständigen Auf- und Ab wurde uns nie langweilig. Selbst durch eine kleine „Höhle“ durften wir uns zwängen. Das war doch wirklich was ganz anderes als über einen langweiligen Schotterweg sich den Berg hochquälen.

Info Glungezer Klettersteig

Der Glungezerklettersteig ist ein einfacher Klettersteig der Kategorie B/C. Er ist auch für Kinder machbar. Der Steig führt über und unter Blöcken hoch zur Glungezerhütte und zur Sonnenspitze.
Mehr Infos auf via-ferrata.de - einfach hier klicken.

Glungezer Klettersteig - Höhle
Unten durch - seht ihr Oli?

So kletterten wir die nächsten drei Stunden durch den endlos scheinenden Haufen an Steinen und Felsen. Unterbrochen nur von vielen Fotoshootings und einer kurzen Pause. Die Ausblicke ins Inntal, die sich uns hier boten, waren einfach einmalig und ideal für schöne Aufnahmen. So entstanden mal wieder unzählige Bilder, wovon ich hier nur eine Auswahl zeige. Unterwegs trafen wir Josef mit seinem 6 jährigen Sohn Christian, die auch über den Klettersteig gingen. Wir hatten wirklich großen Respekt vor dem Kleinen, als wir sahen wie mühelos und angstfrei er selbst die schwierigeren Stellen meisterte.  

Glungezer Klettersteig Impressionen

Glungezer Klettersteig - Glungezer Hütte
Ankommen an der Glungezerhütte

Trotz unserer ständigen Fotopausen kamen wir kurz nach 16 Uhr an der Hütte an. Man sah ihr gleich den hochalpinen Charakter an. Ihre rote Blechverkleidung, die man als Schutz vor den Stürmen montiert hatte, verleiht ihr ein ganz besonderes Aussehen. Und doch ist es immer erstaunlich wie Dinge in Wirklichkeit anders aussehen, als man es sich vorgestellt hat. Natürlich kannten wir Bilder der Hütte aus dem Tourenführer und dem Internet. Doch selbst davor stehend ist das doch meist ein ganz anderer Eindruck.

Glungezer Hütte
Beeindruckende Hochalpine Hütte

In der Wirtsstube wurden wir gleich positiv überrascht. Sie war sehr gemütlich eingerichtet und wir fühlten uns sofort sauwohl. Der Oberhammer war aber dann der Begrüßungsschnaps, den uns die supernette Bedienung als erstes aufdrängte. Ok, wirklich aufdrängen musste sie ihn uns natürlich nicht. Eigentlich wollten wir es hier so handhaben wie im vorhergehenden Jahr und sehr früh ohne Frühstück los. Wir wurden jedoch schnell dazu überredet doch Halbpension zu buchen. Da es sehr aufwendig ist hier auf die Hütte das Wasser hochzupumpen verlangt das Hüttenpersonal 3,- Euro pro Liter Trinkwasser. Beim Buchen der Halbpension ist aber so viel Wasser wie man braucht dabei. Da die Tour am nächsten Tag so gut wie keine Auffüllmöglichkeit für Wasser bot, wählten wir also die im ersten Augenblick teure Halbpension. Dies relativierte sich allerdings dann schnell, dazu gleich mehr.

In der Glungezerhütte

Das Thema Wasser war wirklich problematisch auf der Hütte. Eine Dusche gab es nicht, was zu verschmerzen war. Aber auch den Toilettengang sollte man auf das nötigste beschränken. Also hieß es die A-Backen zusammenkneifen. Es ist schon beachtlich wie man sich einschränken kann.

Aber als nächstes ging es dann hoch in unser Zimmer. Wir kamen in eine 6 Personen Stube. Als ich die stickige Luft rauslassen wollte stellte ich mit Entsetzen fest, dass das Fenster zugeschraubt war. Also nix mit Lüften. Mit letztlich 5 Mann auf der Bude gab es dann in der Nacht auch ganz schön dicke Luft. Aber man gewöhnt sich an alles und die frische Bergluft am nächsten Tag verhinderte dann doch Folgeschäden.

Feierabendbier auf der Glungezerhüte
Feierabendbier
Seilbahn Glungezerhütte
Seilbahn Glungezerhütte

Aufgrund der frühen Uhrzeit blieb uns die Sonne noch eine Weile erhalten und wir genossen unser Feierabendbier auf der Terrasse. Unterhalb auf einer Holzplattform standen zwei Zelte. Auf Nachfrage erfuhren wir, dass dies eine kostengünstige Variante sei, hier auf der Hütte zu übernachten. Das zugeschraubte Fenster ließ uns kurz diese Option überlegen, aber natürlich blieben wir im warmen, wenn auch stickigen Zimmer. Mal abgesehen davon, dass wir weder Schlafsack noch Isomatte dabei hatten.

Seilbahn Glungezerhütte
Bergstation Seilbahn

Glungezerhütte

Die Glungezerhütte ist eine Schutzhütte der Sektion Hall in Tirol des Österreichischen Alpenvereins in den Tuxer Alpen im österreichischen Bundesland Tirol. Die Hütte liegt auf 2610 m ü. A. am Sattel zwischen dem Glungezergipfel und der Sonnenspitze.

Die Hütte ist im Sommer und im Winter geöffnet. Im Winter wird sie vor allem von Skitourengehern frequentiert, da die Hütte von den Glungezerliften einfach in gut einer Stunde Gehzeit erreichbar ist. Die Hütte ist im Winter auch Stützpunkt für Lawinen- und Bergrettungskurse. Im Sommer ist sie Unterkunft für Wanderer, die unter anderem vom Glungezerlift oder auch vom Patscherkofel aus die Hütte erreichen. Die Hütte ist aber auch Stützpunkt für einige Weitwanderwege: Tiroler Adlerweg,[1] Via Alpina, Traumpfad München-Venedig, Inntaler Höhenweg und Olympiaweg Garmisch-Cortina.

Dieser Text basiert auf dem Artikel Glungezerhütte aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Lizenz Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung).
In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

Glungezerhütte
Auf dem Sonnenspitzengipfel

Kaum war das Bier ausgetrunken kribbelte es mir schon wieder in den Füßen. Der kurze Aufstieg hatte mich nicht ausgelastet und ich wollte unbedingt noch rüber auf die Sonnenspitze, unseren ersten Gipfel der Tour. Um ehrlich zu sein, es war nur ein leichter Weg von 5 Minuten bis rüber zum Gipfel, also nicht wirklich eine Herausforderung. Von dort boten sich in vielerlei Hinsicht tolle Ausblicke. Innsbruck zu unseren Füßen, hinter uns in den Fels geschmiegt die Glungezerhütte und darüber der Bergkamm, den wir morgen weiter gehen würden. Hinter dem Kamm glitzerte der schneebedeckte Olperer. Ihm würden wir in 2 Tagen sehr nahe kommen, wenn wir ihn über die Friesenbergscharte umgehen. Doch jetzt wirkte er noch sehr weit weg, erschreckend weit sogar. Wir verbrachten die nächste dreiviertel Stunde auf dem Gipfel damit, die Aussicht zu genießen und natürlich unzählige Fotos zu schießen. Richtig spektakulär war der Segelflieger der nicht weit über unseren Köpfen seine Bahnen zog.

Segelflieger über der Sonnenspitze
Sonnenspitze Gipfelfoto

Impressionen von der Sonnenspitze

Auf dem Rückweg zur Hütte schauten wir uns dann das Textilexperiment der Uni Innsbruck an der Hütte an. Dort waren div. Textilstoffe auf Puppen oder dem Fels befestigt. Laut Infotafel will man so die Auswirkung des Höhenklimas auf die Textilien testen. Hätten die mal uns gefragt, dann hätten die nach der Tour unsere Klamotten untersuchen können. Die waren nämlich ganz schön mitgenommen und wären ein ideales Studienobjekt gewesen – Geruchsbelästigung eingeschlossen.

Textilientest an der Glungezerhütte
Textilientest an der Glungezerhütte

Bei der Begrüßung hatte man uns eingeschärft, rechtzeitig zum Wetterbericht des Hüttenwirtes da zu sein.  Gespannt was uns da wohl erwarten würde gingen wir in die Gaststube. Gottfried der Wirt war bereits von einer Traube von Wanderern umgeben und begann mit seinem Bericht. Man muss Gottfried einfach erlebt haben, um zu verstehen, warum er uns und andere so faszinierte. Jetzt, die Tour bereits hinter mir, muss ich sagen, er und sein Wetterbericht waren ein absolutes Novum. Wir durften zwar noch die Bekanntschaft vieler netter Wirtsleute auf den diversen Hütten machen, aber an Gottfried kam keiner heran. Alleine sein Wetterbericht war etwas, das mir davor und auch danach auf keiner Hütte mehr begegnete. Er sagte uns, dass für morgen Nachmittag Gewitter gemeldet seien und wir zügig nach dem Frühstück los sollten. Wenn wir es dann bei den Gipfelfotos der immerhin 6 Gipfel die wir besteigen sollten, nicht übertreiben, so würden wir es vor dem Gewitter zur Lizumer Hütte schaffen. Es sollte somit ein spannender Tag werden. Ob seine Vorhersage zutraf verrate ich euch allerdings erst im Bericht von Tag 9.

Kurz darauf gab es Abendessen, und was für eins. Schon dadurch hatte sich die teure Halbpension gelohnt. Auf einer Hütte, und noch dazu in einer solchen Hochlage, hätte ich nicht mit so einem tollen 3 Gänge Menü gerechnet. Es ging schon damit los, dass an jedem Tisch kleine Schiefertafeln mit den Namen der jeweiligen Gäste standen. Wir saßen mit Josef und Christian, die wir ja vom Klettersteig schon kannten, an einem Tisch. Während wir das tolle Essen genossen, entstand eine schöne Unterhaltung. Nach dem Essen wollten wir nochmal raus, um ein paar Nachtaufnahmen zu machen. Doch bevor wir aufstanden war plötzlich Gottfried bei uns, mit einem Körbchen voller kleiner Steine und einer Karte. Er ließ uns jeden einen Stein auswählen und erklärte uns, dass wir ihm ein Foto davon schicken sollen, wie wir den Stein in die Lagune von Venedig werfen. Dafür gibt es eine kostenlose Übernachtung auf der Hütte. Eine wirklich klasse Idee von Gottfried, der uns noch sympathischer wurde als er eh schon war. Man merkte ihm an, dass er den Job hier mit Herzblut machte. Den Stein hatten wir dann wirklich die nächsten Jahre immer dabei und heute ruht er auf dem Grund der Lagune in Venedig.

Der tolle Sonnenuntergang und der Blick ins nächtliche Inntal mit seinen Lichtern war dann ein würdiger Abschluss eines wirklich grandiosen Tages. Wir waren voller Vorfreude auf die nächsten Tage, die uns immerhin die Überquerung des Alpenhauptkammes bringen sollte, wenn wir auch uns um das Wetter sorgten. Immerhin waren die Aussichten der nächsten Tage alles andere als rosig.

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