Auf dem Traumpfad von München nach Venedig - Tag 10 - Lizumerhütte zum Tuxerjochhaus

Tag 10 - von der Lizumerhütte zum Tuxerjochhaus

Das schlechte Wetter sollte uns an diesem Tag endgültig einholen. Trotz allem erwartete uns eine interessante Tour. Die in den Tourführern beschriebene Route von der Lizumerhütte zum Spannagelhaus ist so nicht mehr machbar. Das Spannagelhaus bietet seit einem Umbau im Vorjahr keine Übernachtungsmöglichkeiten mehr an. Daher verkürzten wir die Tour und das Tuxerjochhaus sollte unser Etappenziel werden. Viel Spaß beim Lesen.

Ein paar Zahlen:

  • 12 Kilometer
  • 1,170m hoch und
  • 900 m runter
  • Zeit unterwegs: 06:15 Stunden
  • Höhe Start: 2.031m
  • Höhe Ende: 2300m
  • Höchster Punkt: Geierjoch 2.743m

Die Strecke als Route und als Höhenprofil:

Tag 10

Gut erholt ging es früh aus den Federn. Nach der Morgenhygiene standen wir um 6.45 Uhr vor der Hütte zum Abmarsch bereit, wollten wir doch versuchen, dem drohenden Regen durch frühes Losgehen zu entgehen. Das Wetter, das uns draußen erwartete, verhieß Gutes und wir hofften auf eine trockene Etappe. Zu meiner Freude konnte ich zwischen den Wolken sogar blaue Flecken entdecken und unsere Laune besserte sich deutlich. So ging es dann zügig los in Richtung Geierjoch, dem höchsten Punkt heute.

Tag 10
Lizumer Hütte - Blick zum Geierjoch
Tag 10
Blick zurück zur Lizumer Hütte
Tag 10
Der Weg zum Geierjoch
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Aufstieg zum Geierjoch

Die Landschaft hier um die Hütte bestand aus wunderschönen grünen Wiesen durch die sich unser Pfad stetig ansteigend gen Geierjoch wandte. Der kleine Bach, der an der Hütte vorbeikam, rauschte unterhalb von uns ins Tal. Er schien aus den Schneefeldern unterhalb des Geierjochs gespeist zu werden. Die Landschaft war mehr und mehr mit großen Steinblöcken besetzt, je weiter wir vorankamen. Immer wieder ging unser Blick zur sich langsam entfernenden Hütte zurück. Dahinter konnten wir zwischen den Wolken das Karwendel erkennen, welches wir schon ein ganzes Stück hinter uns gelassen hatten. Nach einer Stunde kamen wir dann an die ersten Restschneefelder, welche hier auf der Nordseite des Geierjochs in den Sommer überdauert hatten. 

Tag 10
Blick zurück zum Karwendel
Tag 10
Beim zurückblicken verhüllen Wolken das Inntal
Tag 10
Der Weg wird steiler hoch zum Geierjoch

Einen Anblick, den ich bis heute nicht vergessen habe, war, als die Sonne das vor uns liegende Geierjoch wunderschön beleuchtete. Ein Anblick der uns Hoffnung auf weiter stabiles Wetter machte. Unsere knurrenden Mägen ermahnten uns, das ausgelassene Frühstück doch nun nachzuholen. Eigentlich sollte es dazu auch einen schönen heißen Kaffee vom Esbitkocher geben. Doch leider hatte die Aluschale, der aus Gewichtsgründen unser Topf vom letzten Jahr gewichen war, ein Loch bekommen. Mit langen Gesichtern mussten wir zusehen, wie unser Kaffeewasser nach und nach die Flammen löschte. Damit endete auch unser letzter Versuch auf der Tour zu kochen. Die restlichen Etappen fiel das Kochen aus. Unser mitgebrachter Proviant sorgte jedoch schnell dafür, dass wir den Frust vergaßen und wieder genug Energie für den bevorstehenden Anstieg hatten. Es war dann schon halb neun, als wir uns wieder auf den Weg machten.

Tag 10
Das Geierjoch im kurzen Sonnenschein
Tag 10
Frühstückspause
Tag 10
Olis Kampfs übers Schneefeld

Die blauen Löcher am Himmel schienen nun endgültig der Vergangenheit anzugehören. Während der Weg sich nun immer steiler dem Joch hochwand, fing es immer wieder an zu tröpfeln. Dies ließ unsere Motivation dann doch gewaltig einbrechen, hatten wir doch auf ein deutlich späteres Einsetzen des Regens gehofft. So stapften wir unter dem leisen Trommeln der Regentropfen auf unseren Ponchos den Pfad entlang. Noch war es nur ein leichter Regen mit kurzen Unterbrechungen. Im oberen Drittel ging der Weg dann über ein großes Schneefeld weiter. Dies machte den Anstieg noch mal ein ganzes Stück anstrengender. So waren wir dann froh, das Geierjoch nach einer dreiviertel Stunde zu erreichen. Der Wind blies heftig hier oben und trieb uns die feinen Regentropfen ins Gesicht.

Tag 10
Fast geschafft
Tag 10
Die letzten Meter zum Geierjoch

Unter uns lag beeindruckend der fast noch zugefrorene Junssee. Dahinter konnten wir auch schon den  Gschützspitzsattel sehen, den wir als nächstes bezwingen mussten. Dahinter majestätisch der Olperer mit der Friesenbergscharte an seiner Seite. Trotz des trüben Wolkenhimmels war uns dieser Anblick dennoch vergönnt. Leider sorgte der kalte Wind dafür, dass wir diesen Ausblick nur kurz genießen konnten. So dauerte es auch keine 10 Minuten, bis wir unten am See waren.

Tag 10
Der zugefrorene Junssee
Tag 10
Abstieg zum Junssee
Tag 10
Alpenpanorama am Junssee
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Leider kein Badewetter
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Blick nach Western

Wobei der Weg nicht ganz bis zum See ging und wir aufgrund des Wetters auch keine Lust verspürten, unsere Füße in sein Wasser zu tauchen. Wie gerne hätte ich doch ein wenig im Wasser des Sees geplanscht, war sein Foto uns bei den Vorbereitungen doch das ein oder andere Mal im Internet und dem Reiseführer über den Weg gelaufen. Aber das kalte Wetter lies jede Lust dazu schnell vergehen. Der Regen war mittlerweile dauerhaft, glücklicherweise aber nicht sehr stark. Trotzdem ging es stark beschleunigten Schrittes weiter. Hier verließen wir auch den Übungsplatz des Bundesheeres. Vor dem Anstieg zum Gschützspitzsattel verleitete uns eine kurze Regenpause zum kurzen Anhalten, um noch mal Energie zu tanken.

Tag 10
Aufstieg zum Gschützspitzsattel
Tag 10
Der Gschützspitzsattel

Etwas über eine Stunde später standen wir dann unweit des Gschützspitzsattels, vor uns nur noch ein kleines Schneefeld. Doch dieses hatte es in sich. Steil hing es am Hang und wir mussten höllisch aufpassen, nicht abzurutschen. Stück für Stück trieben wir unsere Schuhe in die Tritte der Vorgänger um guten Halt zu bekommen. Es ging aber alles gut und etwas außer Atem standen wir schließlich am Sattel und wagten einen letzten Blick zurück. Nun begann das Wetter aber endgültig umzuschlagen. Es regnete nun stark und die Sicht ging gegen Null.

Hier enden dann auch meine Bilder für diesen Tourtag. Das Fotografieren hatte schon ab dem Geierjoch stark abgenommen, aber jetzt mussten wir es aufgrund der Nässe komplett einstellen. Daher haben wir leider von diesem Teil der Tour keine Bilder; es hätte sich aber leider auch nicht gelohnt, die Kamera heraus zu holen, denn die Sichtweite betrug nur wenige Meter.

Unter unseren Regenponchos stapften wir den schmalen Pfad durch die Wiesen hinunter ins Weidental. Serpentine um Serpentine ging es steil abwärts. Sorgen machten uns die vielen, scheinbar frisch abgerutschten Hangstücke, die wir immer wieder überqueren mussten. Vermutlich hatte der viele Regen der letzten Wochen hier ganze Arbeit geleistet. Viel darüber Nachdenken konnten wir aber nicht, denn wir mussten hochkonzentriert gehen. Der Regen hatte den Pfad zu einer Rutschbahn werden lassen. Es wurde zusehends anstrengender, hier abzusteigen.

Es dauerte fast eine Stunde, bis wir endlich unten im Weitental angekommen waren. Im Nebel hörten wir einen großen Wasserfall rauschen. Geistig malte ich mir aus, wie wir bei schönen Wetter an ihm in der Sonne liegen könnten. Leider war uns das nicht vergönnt und ohne Pause ging es nun auf einer Schotterstraße wieder bergauf. Es war nun nicht mehr so weit bis zum Tuxerjochhaus, dachten wir. Ok, arg weit war es nicht mehr, aber der Starkregen verwandelte die Wege in reißende Bäche. Kurz später mussten wir dann auch noch einen kleinen Bach queren, was sich als richtige Herausforderung entpuppte. Gerade so schafften wir die Überquerung ohne Schwimmbewegungen. Eine halbe Stunde später war er sicher nicht mehr passierbar. Als wir dann nach einer Weile von der Schotterstraße auf einen kleinen Bergpfad abbiegen mussten, konnte man schon nicht mehr von einem Pfad sprechen, auf dem wir gingen; Bergbach hätte es eher getroffen. Dank unserer wasserfesten Schuhe bekamen wir keine Schwimmhäute, wenn auch der Feuchtigkeitsgrad in den Schuhen deutlich angestiegen war. Die Stunde vom Weitental bis hoch zum Tuxerjochhaus kam mir daher endlos vor. Um 13.00 Uhr kamen wir endlich, ziemlich durchnässt, an der Hütte an.

Im „Wintergarten“ der Hütte lagen bereits nahezu auf allen Bänken die nassen Sachen der anderen Wanderer. Auch wir schälten uns aus den nassen Klamotten und zogen uns erst mal was Trockenes an. Dank unserer Regenponchos waren die Rücksäcke komplett trocken und wir daher nach dem Umziehen ebenfalls. Der ein oder andere Wanderer hatte nicht so viel Glück. Etliche hatten sich auf den Regenüberzug ihrer Rücksäcke verlassen. Bei starken Regen bieten die aber keinen ausreichenden Schutz. Speziell zwischen Rücken und Rucksack hat das Wasser freie Bahn. Wer dann seine Sachen im Rucksack nicht wenigstens in Plastiktüten gepackt hat, muss leiden. Ich war überrascht, dass es einige davon gab. Ein russisches Pärchen tat mir besonders leid. Beide waren begeisterte Fotografen und so schleppten sie eine hochwertige Kameraausrüstung mit sich rum. Als ich sah, wie das Wasser in einem ihrer Objektive wie in einem Aquarium rumschwappte, tat das schon in der Seele weh. Wie kann man solch teures Equipment nur so ungeschützt lassen? Eine andere München Venedig Wanderin hatte einen Wasserschaden an ihrer Insulinpumpe. Sie musste sich daher erstmal eine neue schicken lassen. Zum Glück hatte sie Insulin zum Spritzen dabei.

Tag 10
Überall nasse Klamotten

Nachdem unsere Regensachen im Vorraum ausgebreitet waren und wir für die anderen Klamotten noch ein Plätzchen unter einer Heizung fanden,  ging es hoch ins Lager. Die Hütte war total überfüllt und in unserem Lager wurde nach Kopfkissen belegt. D. h. man hat nicht mal eine Matratze für sich, sondern liegt quasi Schulter an Schulter mit anderen. Ist nicht jedermanns Sache, mir hat es dank guter Ohrenstöpseln nichts ausgemacht. Die überlaufene Hütte bestätigte uns auch unsere Theorie mit dem München – Venedig Strom. Wir gingen davon aus, dass die meisten, so wie auch wir, die Tour an einem Samstag beginnen. Demzufolge ist man mit dem Hauptstrom der München Venedig Wanderer unterwegs, wenn man die zweite Etappe den Glungezer hoch auch an einem Samstag beginnt. Die Folge ist natürlich volle Hütten.

Wir verbrachten den langen Nachmittag damit, die Ausrüstung zu trocken und uns von Uli mit dem neuesten Wetterbericht versorgen zu lassen. Die Wetteraussichten für den nächsten Tag waren noch schlechter. Da auch die nachfolgenden Tage sehr unsicher waren, diskutierten wir sogar einen Totalabbruch der Tour. Schließlich waren wir hier, um die tolle Landschaft zu sehen und nicht nur des Laufens wegen. Auch wollte ich unbedingt die Friesenbergscharte gehen, was bei den aktuellen Bedingungen nicht ratsam war. Gefrustet redeten wir lange über die Möglichkeiten und beschlossen schließlich den nächsten Tag eine Auszeit hier auf dem Tuxerjochhaus zu verbringen. So konnten wir schauen, wie das Wetter sich entwickelt und vielleicht wäre das Glück ja mit uns.

Eine kleine Anekdote erzählte uns am Abend noch ein Bergführer, der im Auftrag des DAV eine Gruppe München Venedig Wanderer führte. Wobei diese, soweit ich mich erinnere, die Tour nur teilweise laufen. Auf jeden Fall war in der Gruppe eine sehr spirituelle Frau dabei, von uns schon beim Eintreten in die Hütte an ihrer merkwürdigen Bekleidung erkannt. Diese war trotz des Starkregens der Meinung, sie müsse unterwegs meditieren. So musste die Gruppe im Regen darauf warten, bis die Gute ihre Erleuchtung fand. Ich glaube, ich als Bergführer hätte der was anderes erzählt. Aber so hatten wir wenigstens was zum Lachen.

Nach einem guten Abendessen gingen wir dann früh ins Bett. Trotz des überfüllten Lagers war es für uns beide doch eine erholsame Nacht.

Tag 10
Schlechtwetter am Tuxerjochhaus
Tag 10
Das Tuxerjoch

Am nächsten Morgen konnten wir uns dann Zeit lassen und während wir in Ruhe frühstückten, verließen die ersten bereits die Hütte. Einige der München Venedig Wanderer hatten uns noch erzählt, dass sie ins Tal absteigen und die Friesenbergscharte mit dem Bus umgehen. Wir schauten zu, wie sie langsam im Nebel verschwanden. Ruckzuck kehrte dann eine himmlische Ruhe ein und wir waren mit den Wirtsleuten alleine. Nun hatten wir die Möglichkeit vom vollen Lager in eine 4 Bett Stube zu wechseln, was wir gerne in Anspruch nahmen.

Auch hatten wir die Dusche für uns alleine und kultivierten uns ausgiebig. Das Wetter war so schlecht wie es vorhergesagt war. Trotzdem gingen wir am späten Nachmittag auf einen kleinen Spaziergang raus. Irgendwie mussten wir die Zeit ja totschlagen. Bei leichtem Nieselregen liefen wir zum Tuxerjoch, unweit der Hütte. Auch musste ich übermütig den kleinen Gipfel hinter der Hütte erklimmen. Der Tag zog sich, bis endlich am frühen Nachmittag die ersten Wanderer eintrafen. Auch diese waren alle gut nass geworden und der Wintergarten füllte sich wieder mit nassen Sachen.

Gegen Abend stellten wir jetzt fest, dass wir nun wirklich aus dem Strom der MV Wanderer ausgeschert waren. Die Hütte war bei weitem nicht so voll wie am Vorabend. So lernten wir auch schnell zwei Augsburger Jungs kennen, mit denen wir uns sofort gut verstanden. So wurde es ein kurzweiliger lustiger Abend. Da die Wetteraussichten für den nächsten Tag wieder besser waren, wollten wir es wagen weiter zu gehen.

Tag 10
Alex auf dem Pfannköpfl
Tag 10
Blick vom Pfannköpfl aufs Tuxerjochhaus
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